Was heißt eigentlich säurefrei?

Was heißt eigentlich säurefrei?

„Geschichte der Papierherstellung“

Als Rohstoff für Papier dienten bis zum 19. Jahrhundert Lumpen ("hadern") und Baumwolle. Wegen des Mangels an Lumpen suchte man jedoch verstärkt seit dem  18. Jahrhundert nach anderen Möglichkeiten. Durch die Erfindung des mechanischen Aufschlusses von Holz – auch Holz- oder Weißschliff genannt -  von F. G. Keller im Jahr 1843, gelang die Papierherstellung aus dem billigen Rohstoff Holz. Etwas später wurde mittels Natronverfahren Holzzellstoff hergestellt bzw.  Papier auch aus halbsynthetischen Fasern (regenerierte Cellulose) und schließlich aus vollsynthetischen Fasern (Polyamid) produziert.

Als problematisch erwiesen sich die Holzschliffpapiere wegen der enthaltenen Restanteile verschiedener saurer Substanzen. Diese Säureanteile stammen aus verschiedenen Aufschlussverfahren, die für die Behandlung des zerfaserten Holzstoffes (Lignocellulose) notwendig sind. Sulfit, Chlorverbindungen und Essigsäure schädigen die Substanz, was zu Vergilbung, Verringerung der Reiß- und Nassfestigkeit sowie Brüchigkeit des Papieres führen kann.

Häufig wird das Holzschliffpapier mit säurehaltigem Papier gleichgesetzt. Das säurehaltige Papier ist jedoch eine Folge des Herstellungsprozesses und einiger chemischer Zusätze seiner Leimung. Holzschliffpapier vergilbt daher besonders stark und verliert schnell seine Elastizität.

Leider wurden billiger Holzschliff und die Leimung mit verseiften Harzen massenhaft eingesetzt, so dass die Papiererzeugnisse aus dieser Zeit in besonderer Weise inneren Schadwirkungen unterliegen. Nur durch Massenentsäuerung und nachträglichen Stabilisierungsverfahren kann man den hohen Zerfallsraten der Cellulose entgegen wirken; die Restaurierung ist aufwendig. So entstand neben dem Nutzen als kostengünstige Herstellungsmöglichkeit von Papier auch ein großer Schaden für die schriftliche Überlieferung des 19. Und 20. Jahrhunderts durch Holzschliffpapier.

Und heute?

Für den Druck hochwertiger Publikationen und Grafiken wird seit ca. 30 Jahren ein sogenanntes „säuerefreies“  und damit alterungsbeständiges Papier verwendet. Folgende Kriterien werden für die Alterungsbeständigkeit herangezogen:

  • Das Papier wird im neutralen bzw. alkalischen Bereich hergestellt.
  • Auf Alaun und andere Substanzen wird vollständig verzichtet.
  • Calciumcarbonat kann als milde alkalische Puffersubstanz eingesetzt werden.
  • Auf verholzte Fasern (Lignin) wird verzichtet.

Um diesen hohen Qualitätsstandard zu erreichen, darf bei der Herstellung nicht nur kein holzhaltiges Material verwendet werden. Es verbietet sich auch die Verwendung von Recyclingpapier, weil dessen genaue Zusammensetzung unbekannt ist und immer davon ausgegangen werden muss, dass holzhaltiges und saures Material darunter ist.

Fazit:

Klare Vorgaben der DIN ISO 9706 wie auch der DIN ISO 16245 garantieren die Säurefreiheit der zertifizierten Produkte.

Tags: Säurefrei, FAQ
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